Schlag nach bei Schädler…

Titelseite von Schädlers Katalog 1983Anfang März hat die Fränkische Galerie auf der Festung Rosenbergwieder ihre Pforten geöffnet. Weil es keinen neuen Führer durch das Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums gibt, gilt weiterhin:
„Schlag nach bei Schädler …!“
Ja, richtig, nicht bei Shakespeare nachschlagen! Sondern bei Schädler! Dr. Alfred Schädler, Die Fränkische Galerie des Bayerischen Nationalmuseums, Deutscher Kunstverlag München, 3. Auflage, 1987! Ach, natürlich, das ist der Katalog zur Einrichtung der Fränkischen Galerieauf der Festung Rosenberg in Kronach! Er ist ja nun schon über 20 Jahre alt! Wer ihn wohl heute noch in die Hand bekommt? Eine neuere oder auch nur eine überarbeitete Neuauflage, die dem heutigen Stand der Galerie angemessen wäre, gibt es bedauerlicherweise nicht.

Schädler 1987: Farbtafel 11. Salome mit dem Haupt des Johannes des Täufers, Lucas Cranach d. Ä., um 1510 bis 1512.Und dies, obwohl die Fränkische Galerie im Jahr 2008 ihr 25­jähriges Jubiläum mit einem (weiter nichthilfreichen) Festvortrag feiern konnte und zudem Zusagen aus München zur Aufwertung der Galerie erwartet werden konnten. Nun, immerhin ist bis jetzt ein neuer DIN­A4-­Flyer mit fachlicher Unterstützung des Bayerischen Nationalmuseums, der Mutter der Fränkischen Galerie, vom Tourismusbetrieb der Stadt Kronach herausgegeben und von ihm finanziert worden. Und? Ein „Burgmodell, Nürnberg, nach 1531“ wurde nach Kronach gegeben! Wieder einmal, denn bei Schädler findet es sich bereits vor 25 Jahren als Einrichtungsbestand der Galerie! Und was noch? Bisher Fehlanzeige! Denn es war nicht mehr viel aus München zu erwarten, nachdem die Stadt Kronach ihre 2006 ausgesprochene Kündigung des Vertrags zurückgenommen hatte, die ihr die Kosten des Betriebs der Galerie für 50 Jahre überlässt. Schade, dass dieses Druckmittel so bedenkenlos aus der Hand gegeben wurde! Die Fränkische Galerie hätte sicher wegen ihrer Bedeutung für die Region mehr Förderung und Unterstützung des Freistaates Bayern und des Bayerischen Nationalmuseums verdient!

Rückgabe von Kulturgut nach (Ober)Franken

Was meint nun Schädler zur Bedeutung der Fränkischen Galerie? Bei ihm ist folgendes nachzulesen (S. 39):Um die Bedeutung der Fränkischen Galerie in der Geburtsstadt Lucas Cranachs zu unterstreichen, hat das Bayerische Nationalmuseumsein einziges Cranach-Gemälde, das […] Halbfigurenbild der Salome mit dem Haupt des Johannes, ein Werk von Pinakotheksrang, nach Kronach abgegeben. […] Es war 1906 vom Katholischen Pfarramt in Bayreuth erworben worden und kehrt nun nach Oberfranken zurück. Also sieh mal an, welche Großzügigkeit! Ein richtiger Akt der Rückgabe von Kulturgut nach (Ober­)Franken! Leider nicht, denn die Salome war nur kurze Zeit in Kronach, sie wurde bald wieder zurück in Mutters Schoß geholt, das heißt, zurück nach München. Über die Gründe dafür kann sicher gestritten werden, aber der Vorgang zeigt doch deutlich, wie mit den Kronachern umgegangen wird! Ob dieser Vorgang den Verfasser des Fränkische Galerie-­Katalogs wohl gefreut hat? Für die Region, für Franken jedenfalls ist der Abzug der Salome nicht erfreulich und für die Fränkische Galerie sicher entwertend. Aber solche Fragen sind müßig, wie auch die nach dem heutigen Wertjenes Salome­Bildes im Vergleich zudem Kaufpreis, der im Jahre 1906 für das Bild an das Katholische Pfarramt in Bayreuth gezahlt wurde. Es wäre allerdings doch ganz interessant, in den alten Kirchenbüchern festzustellen, was damals für das Bild gezahlt worden ist. Und weil in diesen einhundert Jahren, die seitdem vergangen sind, „Cranach-Originale“ einen ungeheuren Wertzuwachs erfahren haben, war der Kauf vermutlich sowas wie ein „Schnäppchen“ für das seinerzeitige Königreich, unseren heutigen „Freistaat Bayern“! Pech für Bayreuth, für (Ober­)Franken! Warum musste denn auch das Bild unbedingt verkauft werden? Und wenn schon, warum nicht an die Geburtsstadt des berühmten Meisters, an Kronach? Dann wäre dieses wertvolle Bild das erste in der Stadt gewesen, nach welcher er sich benannt hat.

Kronachs Prunkstück – die Festung Rosenberg

Festungsbarock bester Art: das Tor zur Festung Rosenberg (eine Aufnahme aus den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts – vor einer kostenträchtigen Sanierung)Am Geld kann es bestimmt nichtgelegen haben, waren die Kronacher doch damals, knapp zwanzig Jahre zuvor, in der Lage, dem Königreich Bayern die Festung Rosenberg abzukaufen. War dieser Festungskauf wenigstens ein vorteilhaftes Geschäft? Was meint denn Schädler dazu (Seite 6f.):Die Veste Rosenberg, mit 23 Hektar Grundfläche eine der größten Festungsanlagen in Deutschland […]erwarb die Stadt 1888 für 32 000 Goldmark vom Bayerischen Staatsärar, ein vorbildlicher Akt früher Denkmalpfege, der sie freilich bis heute teuer zu stehen kommt; bei allen vergleichbaren großen Burganlagen in Franken trägt der Staat die Baulast. So also hat Schädler die Kostensituation der Festung Rosenberg, des Unterbringungsortes der Fränkischen Galerie, beschrieben, was heute noch voll und ganz gültig ist. Warum schlagen denn die Stadtverantwortlichen nicht öfters bei Schädler nach und halten dem Freistaat Bayern diese Feststellungen vor? Anders als beider Fränkischen Galerie könnten die Mächtigen in München doch bei der Festung Rosenberg nicht mit deren Abzug drohen, wenn sie zur Übernahme der Kostenlast gebeten werden! Als in den zurückliegenden Jahren diese Bitte des Öfteren in München vorgetragen wurde, war die knappe Antwort: Kein Geld dafür da! Doch heute stellt sich heraus, wie für zweifelhafte Bankgeschäfte Geld in Milliardenhöhe verbrannt wurde. Gerade deshalb sollte die Stadt Kronach weiterhin ohne Zögern die volle Übernahme der Kosten für die Festung Rosenberg verlangen!

Rosenberg – Denkmal von nationalem Rang

Kronach hat nun schon über 120 Jahre für die Festung eine außergewöhnliche denkmalpflegerische Leistung vollbracht. Diese Lasten übersteigen jedoch auf Dauer bei weitem die Leistungsfähigkeit der Stadt, zumal bei abnehmender Bevölkerungszahl. Hinzu kommt, dass die Bayerische Schlösserverwaltung über einen optimalen Apparat zur Verwaltung und vor allem auch zur gesamtbayerischen Vermarktung der riesigen Anlage verfügt. Davon könnte der Tourismus in Kronach ganz wesentlich profitieren, und natürlich würde auch der städtische Haushalt entlastet, was Spielraum gäbe für die eigentlichen Pflichtaufgaben der Stadt. Was also sollte die Stadtverantwortlichen davon abhalten, jetzt, wo in München neue Kräfte mit mehr Verständnis herrschen, eben jetzt einen neuen Anlauf zu nehmen und Entlastung von den Festungskosten und Gleichbehandlung mit vielen anderen bayerischen bzw. fränkischen Städten zu fordern, die sich über eine „freistaatliche“ Burg in ihren Mauern freuen können, wie zum Beispiel Burghausen oder Kulmbach. Kronzeuge dafür: Schädler!

Anmerkung:

„Schlag nach bei Shakespeare …“ aus dem Musical „Kiss Me, Kate“ von Cole Porter, 1948, unter Verwendung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“. Übrigens, wer bei Schädler nachschlagen will, das Buch ist in der Kreisbücherei zu fnden.
Bildnachweis (von oben nach unten):
Titelblatt, Schädler Katalog 1983
„Burgmodell, Nürnberg nach 1531“, Schädler, 3. Aufl. 1987, Abb. 75
Farbtafel 11. Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers. Lucas Cranach d. Ä., um 1510 -1512, Schädler 1987, Seite 31

Stefan Diller, Festung Rosenberg, in: Kronach, Heidelberg 1994, Seite 62

 
Manfred Raum