Egon Johannes Greipl: Mit der Festung Rosenberg ist „diese kleine Stadt chronisch überfordert!“

Aufschlußreiche Ausführungen des obersten bayrischen Denkmalpflegers

Das neueste Heft der Zeitschrift des Vereins 1000 Jahre Kronach enthält eine Rezension von Dr. Bernd Wollner des Sammelbandes „Das Ende der Festungen – Aufgelassen – geschleift – vergessen?“ (Schnell + Steiner, Regensburg, 2009). In dem Buch findet sich auch ein Beitrag des Chefs des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege unter der Überschrift:
„ZERSTÖRT OHNE BESCHUSS – Festungsbauten als Probleme der bayerischen Denkmalpflege“. Greipl analysiert darin auch die Probleme von Festungen in kommunalem Eigentum, wobei natürlich die Festung Rosenberg als Anschauungsobjekt dient. Seine wiederholt gemachte Aussage muß auch in Kronach (und bei der Staatsregierung) zu denken geben: „Festungen in kommunalen Besitz sind in der Regel chronisch unterfinanziert“!
Insbesondere an den sich gleichenden Beispielen der Wülzburg (Weißenburg) und der Festung Rosenberg macht Greipl überdeutlich klar, dass den beiden Städten ein Erhaltungsaufwand obliegt, „der eine kleine Stadt einfach überfordern muß“. Bei der Wülzburg bedauert er, dass der Verfall der Festungsmauern nur mit Einbußen an ästhetischen Denkmalqualitäten gestoppt werden kann: „Vor dem Hintergrund der allgemeinen finanziellen Lage wird der Einsatz von Billigverfahren statt der handwerklichen Methoden erwogen: Stahlbeton.“

Nach der Schilderung der ebenso unbefriedigenden Erhaltungsmaßnahmen an der Schnaittacher Festungsruine (diese steht in staatlichem Eigentum) beschreibt Greipl die beispielhaften Maßnahmen in Kronach.

Die Gefährdung der Festungsbauten geht von verschiedenen Ursachen aus. Die Abdeckung der Bastionen und Kurtinen ist undicht, so dass Wasser in die Baukörper eindringt und, zusammen mit dem Frost, das Mauerwerk von innen heraus zerstört. Unkontrollierte Vegetation leistet einen bedeutenden Beitrag zum Verfall. Fehlende Putze und Kalkschlämme setzen den Naturstein ungeschützt der Witterung aus. (…) Standen sich Denkmalpflege und Ökologie damals unversöhnlich gegenüber, so setzte vor wenigen Jahren ein Umdenken ein. Beispiel ist das Projekt der Instandhaltung von ökologisch bedeutsamem Mauerwerk an den Wallmauern der Festung Rosenberg im oberfränkischen Kronach, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert und vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege maßgeblich begleitet wurde.“ Greipl führt aus, dass in diesem Zusammenhang ein neuer Ensemblebegriff geprägt worden sei, welcher „die Vegetation als Spiegel der regionalen Kulturgeschichte und Teil des Erlebnisinhaltes mit umfasste: Baudenkmale und vom Menschen genutzte bzw. umgestaltete ´Natur´ bilden eine Einheit. Am Schluss des Projektes stand die Ökologische Instandsetzungsvariante, die mit dem geringst möglichen Eingriff in den Lebensraum Wandfläche auskommen sollte.“

Was hier den Beifall der Denkmalpfleger findet, bleibt jedoch eine kostenträchtige Dauerbelastung. So kommt Greipl denn auch zum Ergebnis:
„Die Festung Rosenberg wurde von den Fürstbischöfen von Bamberg errichtet, gelangte nach der Säkularisierung an den bayerischen Staat und gehört seit 1888 der Stadt Kronach. Mit der Instandhaltung der 23,6 ha großen Anlage, die ein 1,4 km langer Wall umspannt, ist auch diese kleine Stadt chronisch überfordert.“

Als Schlussfolgerung aus den Ausführungen des Präsidenten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege kann eigentlich nur gezogen werden:
Dieser chronischen Überforderung der Stadt Kronach durch die Kosten der Festung Rosenberg kann nur mit der Übernahme durch den Freistaat begegnet werden.

(Zitate aus dem Beitrag von Egon Johannes Greipl in: Das Ende der Festungen – Aufgelassen – geschleift – vergessen? Schnell u. Steiner, Regensburg 2009, Seiten 182 – 198)

Manfred Raum, Kronach, 4. Juni 2010

 
Manfred Raum