20 Jahre Städtepartnerschaft Kronach – Kiskunhalas
20 Jahre Partnerschaft mit Kiskunhalas

20 Jahre Partnerschaft mit Kiskunhalas

20 Jahre Städtepartnerschaft Kronach – Kiskunhalas
Die offizielle Besiegelung der Städtepartnerschaft Kiskunhalas-Kronach fand am am 27. Mai 1995 in Kronach statt
(vorausgegangen war im Herbst 1994 in Kiskunhalas die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden durch die Bürgermeister Zoltan Toth und Manfred Raum)
In der Feierstunde zur Besiegelung der Partnerschaft im Mai 1995 in Kronach richtete ich nach der Begrüßung der Delegationen aus Kiskunhalas und Hennebont und der Festgäste folgende Worte an die Festversammlung:

“Zum Eingehen einer Städtepartnerschaft gibt es im wesentlichen wohl drei Standpunkte:
- sehr viele werden sagen: was bringt das denn überhaupt, es kostet doch nur Geld;
- sehr viele werden sagen: interessiert mich nicht, ich habe wichtigeres zu tun;
- und vermutlich nur sehr wenige werden spontan denken: ja, das ist gut und zukunftsweisend, da mache ich mit!
Zu diesen wenigen gehören Sie, meine Damen und Herren, wir brauchen Sie für die Partnerschaftsarbeit, und ich danke Ihnen, daß Sie gekommen sind, was ich auch einschätzen möchte als Signal ihrer Zustimmung und Unterstützung der Partnerschaftsarbeit der Stadt Kronach.

Wir sind vor fünf Jahren eine internationale Städtepartnerschaft mit unseren Freunden in Hennebont eingegangen. Das war ein “Nachziehen” sozusagen, weil viele deutsche Städte im Rahmen der deutsch-französischen Aussöhnung und Verständigung bereits seit Jahrzehnten enge städtepartnerschaftliche Beziehungen eingegangen sind. Zwischen Hennebont und Kronach sind in dem Jahrzehnt des Kennenlernens intensive städtepartnerschaftliche und vielfältige private freundschaftliche Beziehungen entstanden; allein die Anwesenheit der offiziellen Delegation der Stadt Hennebont bei dieser Städtepartnerschaftsfeier beweist dies.

Im Jahr 1994 hat der Stadtrat der Stadt Kronach einer Städtepartnerschaft mit der ungarischen Stadt Kiskunhalas zugestimmt und es wurde im Anschluß daran – am 22. Oktober – in Kiskunhalas diese Partnerschaft offiziell bestätigt. Am heutigen Tage wollen wir diese Bestätigung auch in Kronach vornehmen und damit unserer Bevölkerung deutlich vor Augen führen, daß wir auch in den östlichen Nachbarstaaten Freunde gewinnen und Kontakte von Mensch zu Mensch durch kommunale Unterstützung ermöglichen und fördern wollen.

Die Grundlage für diese Städtepartnerschaft ist durch den schulpartnerschaftlichen Austausch der Staatlichen Berufsschule Kronach mit den Berufsschulen in Kiskunhalas entstanden. Sie hat sich fortentwickelt über verschiedenste Organisationen und privates Engagement. Das Ergebnis sind Freundschaften zwischen Bürgerinnen und Bürgern unserer Städte, Beziehungen zwischen Einrichtungen und Organisationen unserer Städte und ein zunehmend intensiverer Informationsaustausch, der letztendlich Voraussetzung ist für die Verdichtung der Beziehungen.
Die Frage stellt sich, warum dies alles angestrebt wird?

Nach einem eher zufälligen Kennenlernen, wobei die Herren Kestel und Schwob eine Rolle gespielt haben, und ohne daß wirtschaftliche oder gesellschaftliche Verflechtungen eine partnerschaftliche Kontaktaufnahme dringend erforderlich gemacht hätten, haben sich in den vergangenen Jahren sehr vielfältige Austauschmöglichkeiten ergeben, die als gute Basis für eine Städtepartnerschaft anzusehen waren. Es kommt hinzu, daß auf unserer Seite durchaus die Entwicklung der demokratischen Strukturen in unseren östlichen Nachbarstaaten auch von kommunaler Seite aus gefördert und unterstützt werden soll. Und dies trifft wiederum auf das Bestreben unserer östlichen Nachbarn, westliche Demokratiestrukturren kennenzulernen und – soweit sie wertvoll erscheinen – zu übernehmen. Ich gehe davon aus, daß dieser gegenseitige, aufeinanderzu-gerichtete Entwicklungsprozeß dem Frieden und der Freiheit unserer Länder und unserer Menschen dienen soll und daß deshalb auch auf kommunaler Ebene dieses Denken, diese Bestrebungen gefördert werden müssen.

Die Bürgermeister Zoltán Tóth  und Manfred Raum bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde im historischen Rathaussaal.

Die Bürgermeister Zoltán Tóth und Manfred Raum bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde im historischen Rathaussaal.


Für die kommunale Ebene geht es dabei vor allen Dingen um die Begegnung von Mensch zu Mensch, und hierbei steht natürlich unsere Jugend im Vordergrund.
Ich freue mich deshalb, daß auch zu dieser Partnerschaftsbesiegelung die junge Halaser Folklore-Tanzgruppe angereist ist. Und ich hoffe, daß noch viele weitere Begegnungen von Jugendlichen, aber auch von “Junggebliebenen” (als Vorbild kann der Seniorentanzkreis gelten!), in den kommenden Jahren stattfinden werden.

Wir werden sicherlich im Alltag unserer Partnerschaftsarbeit noch erhebliche Schwierigkeiten haben und Barrieren überwinden müssen. Dies darf ich vielleicht an einer einzigen Vergleichszahl klarmachen, die ich der Süddeutschen Zeitung vom 25. Mai 1995 entnommen habe, nämlich, daß beispielsweise der ungarische Arbeiter im Durchschnitt DM 4,50 pro Stunde kostet, der deutsche Kollege dagegen DM 42,70.
Als Lehre kann ich daraus nur den Schluß ziehen: alle jene wirtschaftlichen Disparitäten dürfen uns nicht den Willen zum menschlichen Kontakt und zur Verständigung beeinträchtigen.

Ich darf mich deshalb auch einmal an dieser Stelle für alle bisher bei Euch in Kiskunhalas und Umgebung genossene Gastfreundschaft sehr herzlich bedanken.
Ich hoffe, daß immer mehr Kronacher diese Gastfreundschaft kennenlernen in den kommenden Jahren, – es wäre schön, wenn jedes Jahr wenigstens 1 % der Kronacher nach Kiskunhalas fahren würden. Das heißt also, daß sich jährlich rund 180/190 Kronacherinnen und Kronacher auf den Weg nach Kiskunhalas machen sollten. Dann wären in rund 100 Jahren alle Kronacher (statistisch gesehen) einmal in Kiskunhalas gewesen! (Eigentlich dauert das viel zu lang!)

Heute rufe ich deshalb alle Kronacher Mitbürgerinnen und Mitbürger dazu auf, sich mit der Städtepartnerschaft zu Kiskunhalas zu beschäftigen und einen eigenen Beitrag dazu zu leisten.
Ich bin sehr glücklich, daß die Stadt Kronach, was die Partnerschaften zu ungarischen Städten anbelangt, nicht zu den Letzten gehört, sondern eher einen vorderen Rang einnimmt.
Die Städtepartnerschaft, die wir jetzt noch einmal besiegeln wollen, soll unseren Bürgerinnen und Bürgern, vor allem den jungen Menschen in unseren Städten, zu Begegnungen und zu gegenseitigem Verstehen verhelfen.
Ich bin sicher, daß wir auf diese Weise für den Frieden und die Freiheit unserer Länder und für den Frieden in der Welt einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten.” –

Jetzt, zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Kronach-Kiskunhalas kann eine außerordentlich positive Bilanz gezogen werden: den Nachweis dafür liefern einmal die Broschüren, die aus Anlaß des 5-jährigen Bestehens der Partnerschaft und des 10-jährigen Bestehens herausgegeben wurden.

5-Jahre Städtepartnerschaft

5-Jahre Städtepartnerschaft

Sie zeigen anschaulich, was für ein lebendiger Austausch stattfinden kann, wenn sich viele Idealisten angespornt fühlen und die Sache unterstützen.
Und des weiteren sprechen intensive Begegnungen verschiedener Schulen für sich.
Schlußfolgerung:
Eine Stadt ohne solche Angebote – vor allem für die Jugend – wäre sehr viel ärmer!
Deshalb richtet sich die Bitte an alle: unterstützt und fördert die Städtepartnerschaften Kronachs mit Kiskunhalas – und natürlich auch mit Hennebont in der Bretagne.
Manfred Raum, 26. Juni 2015

10-Jahre Städtepartnerschaft

10-Jahre Städtepartnerschaft

 
Manfred Raum